see conference 2009: Interview mit Initiator Michael Volkmer
15. April 2009
Mister Wong ist in diesem Jahr erstmalig Medienpartner der see conference in Wiesbaden. Daher haben wir es uns nicht nehmen lassen, dem Initiator der Konferenz und Geschäftsführer der Agentur Scholz & Volkmer, Michael Volkmer, ein paar Fragen zur Konferenz mit dem besonderen Motto zu stellen.
“Die Konferenz zur Visualisierung von Information” ist ein eher ungewöhnliches Thema für die von einer Web-Agentur initiierte Veranstaltung – warum haben Sie es gewählt, was ist für Sie so spannend daran?
Stimmt, das Thema klingt erstmal sperrig und man würde es eher in einem wissenschaftlichen Umfeld, etwa beim Fraunhofer-Institut ansiedeln. Warum hat es für uns eine so große Bedeutung? Kurz: es geht um das Gewinnen von Erkenntnissen, auf Basis von verdichteten Bildern. Als Agentur in der Kommunikationsbranche ist es natürlich unser täglich Brot, Inhalte aufzubereiten und in Form von Botschaften zu verpacken. Als Konsument kennen Sie aber sicher das Phänomen, dass man dieser Botschaften auch schell überdrüssig wird oder schlicht überfordert ist. Hier ist genau unser Ansatz; wenn Sie so wollen, eine Art “nächste Generation” der Kommunikation. Wir versuchen inhaltlich 100% am Kern zu bleiben, und die Hülle, das Image, das Ornament zu vermeiden. Also quasi aus dem Inhalt heraus die Form zu entwickeln.
Wo findet das heute statt? Zugegebenermaßen sind wir da ganz am Anfang. Oft sind es auch künstlerische Annäherungen zu diesem Thema. Der Umgang mit großen Datenmengen und komplexen Themen ist nicht gerade die Kernkompetenz der Kommunikations-Branche. Die see conference soll da Anregungen in unterschiedlichen Dimensionen geben. Sehr wichtig ist mir dabei aber vor allem die gesellschaftliche Relevanz. Denken Sie an große, komplexe Themen, wie zum Beispiel den Klimawandel. Wer versteht da alle Zusammenhänge? Wie kommen wir als Privatperson oder als Staat ins Handeln? Hierzu hatten wir im vergangenen Jahr Dr. Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung als Keynote-Sprecher bei uns. Er ist zum Beispiel der festen Überzeugung, dass wir, die Kommunikationsbranche, die Designer, eine tragende Rolle bei der Bewältigung dieser Herausforderungen haben werden.
Abgesehen davon sind Visualisierungen, die auf den Punkt sind, reduziert, und befreit von allem Beiwerk, oft auch unter ästhetischen Gesichtspunkten ein Grund, sich als Designer gerne damit zu beschäftigen. Und die Erkenntnis, dass es in anderen Brachen, zum Beispiel der Architektur, ganz ähnliche Aufgabenstellungen gibt.
Was denken Sie, macht die see conference interessant für ihre Besucher? Was ist das Besondere? Wie unterscheidet sie sich von anderen Konferenzen?
Die see conference ist thematisch relativ spitz und fokussiert – und ist dabei eine ausgesprochen interdisziplinäre Veranstaltung. Wir versuchen die Sprecher aus ganz unterschiedlichen Feldern zu rekrutieren. Wenn es ums Visualisieren geht, liegt es natürlich nahe, Interface-Designer auf der Bühne zu haben. Traditionell sind aber auf jeder see conference auch Architekten von renommierten Büros mit an Bord. Dieses Jahr ist es Gijs Joosen vom niederländischen Architekturbüro ONL. Er wird zum Beispiel über Realtime-Datenerfassungstechniken sprechen, die es Gebäuden ermöglichen, in Echtzeit auf Wünsche ihrer Nutzer zu reagieren. Daneben spielt Technologie eine maßgebliche Rolle, wenn es um komplexe Inhalte geht. Julian Oliver aus Madrid ist Künstler und Softwareentwickler und befasst sich mit dem Thema Augmented Reality. Oder Sebastian Oschatz vom Forschungslabor MESO, der über interaktive Räume sprechen wird. Und dann haben wir jedes Mal auch kreative Vertreter der Industrie bei uns. Dieses Jahr wird der amerikanische Medienkünstler Aaron Koblin vom Google Creative Lab über die – sehr experimentelle – Visualisierung von menschlichen Systemen sprechen.
Was unterscheidet die see conference noch von anderen Konferenzen? Vielleicht auch der Ort Wiesbaden. Dass es nämlich genau nicht eine Großstadt wie Berlin ist – wo zwei Ecken weiter gleich die nächste interessante Veranstaltung stattfindet, die mit einem neuen Thema lockt. Man könnte also sagen, dass wir uns in einer medialen Kleinstadt zu dem Thema noch konzentrierter austauschen können. Und trotzdem internationale Spitzen-Referenten als Diskussionspartner haben.
Worauf freuen Sie sich bei der diesjährigen Konferenz am meisten – was ist Ihr persönliches Highlight?
Inhaltlich wird die Keynote von Prof. Dr. Dr. Roth mit Sicherheit ein Highlight sein. Gerhard Roth ist einer der bekanntesten Gehirnforscher Deutschlands. Er wird sich dem Thema auf wissenschaftlicher Weise nähern. In seinem Vortrag “Äußere Welt – Innere Bilder” widmet er sich dem Wesen der see conference: dem “Sehen und Erkennen”. Es wird darum gehen, wie Sehen entsteht. Wo es verarbeitet wird. Dass wir zum Beispiel in der Interpretation dessen, was wir sehen, nur fünf Prozent wirklich “Reales” von außen verwerten – die restlichen 95 Prozent sind “Gelerntes”. Es wird um die Geschwindigkeit der Verarbeitung gehen. Was Bilder mit Gefühlen und Entscheidungen zu tun haben. Kurz: dass uns, genetisch gesehen, die Emotionalität der Bild-Welt wesentlich näher liegt als zum Beispiel die Logik der Schrift-Welt.
Am meisten freue ich mich aber auf die Stimmung, auf die Atmosphäre, die entsteht, wenn man sich mit einem Thema so intensiv beschäftigt. Es sind nicht nur die Vorträge und Referenten. Es sind allen voran auch die über 400, extrem interessierten Teilnehmer der Konferenz. Der Ort des Geschehens trägt ebenfalls seinen Teil dazu bei: wir sind wieder im Caligari, einem der ältesten Jugendstil-Kinos Deutschlands.
Also: Viel Spaß auf der see conference & WONG THE WEB!
P.S.: Wer kein Ticket mehr für die see conference bekommen hat: auf der Website wird die Konferenz am Tag der Veranstaltung per Videostream übertragen. Infos, Updates und weiterführende Links zu den Referenten gibt es außerdem auf Twitter: http://twitter.com/see_conference.



Am 17. April 2009 um 09:23 Uhr
Eine spannende Konferenz! Den Videostream werde ich nutzen – vielen Dank für die Info!
Am 17. Mai 2009 um 23:38 Uhr
[...] Michael Volkmer, the initiator of the SEE conference, stated in the introduction the important role of information visualization in our society. We face severe problems that only can be solved if cause and effect are clearly differentiated, translated and communicated. Whereas the “communication” process has to be capable to handle the changing reading habits. [...]