Quo Vadis, Spiegel Online?

3. August 2006

Lieber netzwelt,

Du schreibst in Deinem Netzwelt Artikel “Die Zeit der Kopfgeldjäger” gar garstig:

“Das Netz der zweiten Generation verliert seine Unschuld. Es ist eine einfache Rechnung. Wer viel Zeit hat, weil er zum Beispiel arbeitslos ist, oder sehr reich, Schüler oder ein nicht allzu eiliger Student, der kann auch viel zur Unterhaltung Anderer tun. Bloggen zum Beispiel.”

What happens bei “Deutschlands führendem Online-Medium”, dass Du Dich nun zum generellen Beleidigungs-Schlag gegen alle Blogger und Nutzer anderer Web 2.0-Angebote entscheidest?

Eigentlich weißt Du doch, dass das Web 2.0 einen Paradigmenwechsel in der Internet-Nutzung darstellt und zur Unterhaltung aber auch professionell von immer mehr Menschen genutzt wird. Ein kurzer Blick in die Deutschen Blog Charts zeigt bereits die große Vielfalt und hohe Qualität der Blogs in Deutschland.

Wir haben uns ja daran gewöhnt, dass Du mit Vorliebe auf amerikanische Portale abhebst (wie auch im Print-Titel “Du bist das Netz”). Dann braucht man sich aber auch nicht wundern, dass das Web 2.0 in Deutschland sich stetig, aber nicht mit den Millionen-Zahlen wie in den USA, weiterentwickelt. Ein bißchen mehr Recherche, Gespräche mit einigen Aktiven oder der Besuch von Web Montagen würden schon reichen, um ein reelles Bild der deutschen Web 2.0 Szene zu erhalten. Und das sollte man bei einem Medium mit einigen Millionen Besuchern erwarten dürfen.

Schade, Spiegel, warst Du doch lange Vorbild und Verfechter der Meinungsfreiheit… Versuche doch lieber die Blogger als Freunde zu betrachten, die zur Demokratisierung der veröffentlichten Meinung beitragen!

Wir sind ja eigentlich große Fans von Dir und drücken Dir ganz doll die Daumen dass Du schnell wieder zu Dir kommst :)

Liebe Grüße von Mister Wong

9 Reaktionen zu “Quo Vadis, Spiegel Online?”

  1. Jens

    Es ist eine einfache Rechnung. ;-) Wer glaubt, dass er etwas zu verlieren hat, wenn Arbeitslose, Schüler, Studenten oder auch Reiche bloggen, der muss sich auch in solchen Ergüssen äußern. Unabhängig davon sollte sich Spiegel online an einer Qualitätsdiskussion beteiligen oder eben an Thomas Nuhr halten, denn nicht jeder Kolumne und jedes Feuilleton ist wirklich lesenswert oder gar qualifiziert.

  2. Das E-Business Weblog

    Die krampfhafte Suche nach dem Web2.0-Geschäftsmodell…

    “Web2.0″ geht um. Alle reden darüber und bei mir stapeln sich die Anfragen dazu. Aus irgendeinem Grund scheint eine Frage viele Leute zu bewegen: “Was ist das Geschäftsmodell des Web……

  3. Dieter Nuhr

    Wer ist Thomas?

  4. Markus

    Spiegel Onlines Netzwelt ist zwar sprachlich sicherlich mit ganz weit vorne, aber was die Qualität der Beiträge angeht kommt es einem durchschnittlichen Alltagsblogger schon sehr nahe. Von Recherche haben die Jungs wohl noch nichts gehört. Ein Trauerspiel, was sich da Spiegel Online eingebrockt hat. Ich frage mich ernsthaft, wie Sie sich dort wieder heraus ziehen wollen.

  5. blog.stefanbueschler.de » Ich bin kein guter Mensch, sondern ein Blogger

    [...] Ich kann diesen scheuklappenbehafteten Rundumschlag nicht ganz nachvollziehen. Entweder möchte dort jemand Web2.0 nicht verstehen, oder aber wollte einfach mal etwas schreiben um die Aufmerksamkeit der Blogossphäre auf sich zu richten ohne sich ab auf das entsprechende Niveau zu begeben. Ich war drauf und dran mir den Spiegel im Abo zu bestellen, wenn ich allerdings solche Beiträge im Bild-Stil lese kommen ernsthafte Zweifel auf. [...]

  6. Frank Ristau » Neue Web 2.0 Artikel

    [...] Worum gehts? Christian Stöcker erklärt im Artikel “Die Zeit der Kopfjäger” die Web 2.0 Bewegung zum Hobby für Menschen mit zu viel Zeit. Der neue Schwung im Web würde sich auf Dauer nur aufrechterhalten lassen, wenn irgendwann auch jemand daran verdient. Die Suche nach dem richtigen Geschäftsmodell für das Web 2.0 geht also weiter und Helmut Merschmann geht, ebenfalls im Spiegel, auf “die Mär vom Geschäft mit Web 2.0” ein und man fragt sich tatsächlich, ob es von diesen Business-Modellen wirklich soviele geben kann. Starker Tobak vom Spiegel-Online, den man als generellen Beleidigungs-Schlag gegen alle Blogger und Nutzer anderer Web 2.0-Angebote auffassen könnte. Es ist erfrischend zu sehen, dass Mario Sixtus eine ganz simple Antwort hat: [...]

  7. PR Blogger

    Social Bookmarking doch erfolgreich…

    Während der Spiegel kritisch auf das Web 2.0 schaut und darin nur ein Bubble 2.0 entdecken kann, ist die amerikanische Wirtschaftspresse schon wieder etwas weiter. Die Business Week entdeckte in der Ausgabe vom 14. August 2006 eine neue Erfolgsstory, …

  8. Nick

    über den teich schauen ist fast immer erquicklich: immerhin gibt es eine vielzahl englisch sprechender user/innen im vergleich zu den rund 100mio. deutsch-sprechenden.

    klar sehen die traffic zahlen dort besser aus, und dann kommt noch diese mühsame aber viel zu oft pesimistische grundhaltung dazu…
    klar tragen da schwach bezahlte, vielleicht frustrierte redakteure, ihr scherflein bei…
    würd’ mich auch ärgern, dauernd millionen umsätze an mir vorüber ziehen zu sehen, darüber zu schreiben und dann im untersten vierstelligen € Bereich eine zahl am gehaltszettel zu finden :)
    nicht ärgern lassen! wir machen’s einfach besser…(oder lausiger in meinem fall ;)

  9. professional WebDesign barrierefrei

    WEB 2.0 – Ideale contra Euronen – Generationenkonflikt…

    Das Phänomen Web 2.0 und der Zeitgeist. Web 2.0 erfunden von der Computergeneration, genutzt von den Eltern. Idealismus contra Kapitalismus oder die Revolution frisst ihre Kinder.

    ……

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